Beweglichkeit bewahren

Beweglichkeit bewahren

Irgendwann hat sicher jede und jeder von uns schon mal gemerkt - es ziept und zwackt so hier und da. Die Beweglichkeit lässt nach.

Ob es nun im Rücken, in der Hüfte oder in den Knien zwickt, ob wir beim Sport übertrieben haben oder wieder einmal nur den ganzen Tag gesessen haben, wenn`'s weh tut leiden wir.

Einigen hilft dann Bewegung, anderen gefühlt Ruhe und Wärme, die Nächsten gehen zum Therapeuten ihrer Wahl, wieder andere leiden still vor sich hin und machen sich Sorgen, woher das wohl kommt.

Ist es die Hüfte, oder doch eher der Rücken die Wirbelsäule, gar die Bandscheiben, das Kopfkino findet da schnell Bilder.

Was können wir tun um aus dem Gedankenkarussell wieder in die Bewegung zu kommen?

Nehmen wir das klassische Beispiel es zieht im untern Rücken und strahlt vielleicht noch ins Bein aus.

Kann die Lendenwirbelsäule sein, die Bandscheiben, das ISG (Ileosacralgelenk), ein verschobenes Becken, die Hüft oder das Hüftgelenk selber, vielleicht auch ein verdrehtes Knie oder ein Knöchel.

Wenn uns gerade keine akute Verletzung oder Überlastung einfällt, dann könnten wir doch mal vorsichtige Bewegungen testen und schauen, ob sich die Spannung im Körper verändert

Dabei geht es vor allem um die Propriozeption (die Gelenkwahrnehmung), das Gleichgewicht und langsame, kontrollierte Bewegungen um unser Gespür und die Körperwahrnehmung wieder zu schulen.

Denn wenn wir davon ausgehen, dass die Rezeptoren und die Wahrnehmung der Hüfte eine Rolle spielen, dann sollten die Übungen nicht nur Kraft trainieren, sondern vor allem die Qualität der Informationen verbessern, die das Gehirn aus der Hüfte erhält.

Siehe auch https://martinacoldewey.de/hueftschmerzen-verstehen-warum-rezeptoren-so-wichtig-sind/

Hier nun einige Übungsvorschläge

Wie immer würde ich erstmal die Ausgangssituation testen um ein Gespür für meinen Körper und die aktuelle Situation zu bekommen:

  • hüftbreit stehen, reinspüren, fühlen sich beide Beine und Körperhälften gleich an
  • die Hüfte leicht von einer Seite zu anderen schieben, leicht kreisen,
  • jeweils ein Bein vor- und zurückbewegen oder zur Seite.
  • die Knie leicht anheben und mit den Unterschenkel sanfte Bewegungen in alle Richtungen
  • mit den Schultern kreisen, die Arme seitlich und nach vorne und hinten schwingen,
  • den Kopf sanft seitlich neigen und drehen. Reinspüren wie der Bewegungsradius ist.
  • auch nach vorne beugen, soweit es geht und sich das merken.

Bei Kreislaufbeschwerden oder Gleichgewichtsproblemen, bitte immer für seitlichen Halt sorgen.

1. Die Hüfte wieder "spüren" lernen

  • Seitwärts Schieben der Hüfte

Versuchen, die Hüfte auf einer geraden Linie vorsichtig von links nach rechts und von rechts nach links zu schieben ohne das sich der Oberkörper mit bewegt. Wie fühlt sich das an?

  • Langsames Hüftkreisen

Im Stand ganz langsam kleine Kreise mit der Hüfte beschreiben.

Nicht möglichst weit, sondern möglichst gleichmäßig.

Wichtig: Langsamkeit verbessert häufig die Wahrnehmung.

  • Becken-Oberschenkel-Knie-Uhr

Nun legen wir uns auf den Boden, soweit uns das möglich ist.

Im Liegen die Knie aufstellen. Die Knie dann langsam langsam im und gegen der Uhrzeigersinn im Kreis bewegen und spüren, wo sich Spannungen zeigen.

  • Becken anheben

Nun im Liegen , die Knie wieder aufstellen und langsam das Becken anheben als wenn wir eine Brücke machen wollen, nur soweit es geht und einen Augenblick halten, dann langsam wieder abrollen und die Beine ausstrecken. Das können wir ruhig einige Male wieder holen, wenn wir mögen.

Wie sind bis hierher die Erfahrungen bei so langsamen und sanften Übungen? Meist machen wir die Übungen ja eher mit Tempo oder Kraft, hier geht es gerade eher um das Wahrnehmen und die Neuverknüpfung unserer Nervenzellen mit den Gelenken und unseren Bewegungsabläufen.

2. Gleichgewicht trainieren

  • Einbeinstand

Versuche 30–60 Sekunden auf einem Bein zu stehen. Bei Schwindel oder Problemen, erstmal mit Festhalten.

Später, wenn du dich sicher fühlst, kannst du auch die Augen schließen oder den Kopf leicht drehen,

Dadurch müssen Hüfte, Fuß und Gehirn viel intensiver zusammenarbeiten.

  • Sternschritte

Ein Bein ist das Standbein auf dem das Gewicht lastet.

Mit dem anderen Fuß langsam nach vorne, hinten und seitlich tippen.

Die Hüfte bleibt möglichst ruhig.

Diese Übung trainiert die Stabilität der Hüfte deutlich besser als viele klassische Kräftigungsübungen.

3. Kleine Bewegungen unter Belastung

  • Mini-Kniebeugen

Hier geht es nicht um tief herunter beugen, wenige Zentimeter reichen.

Mache die Bewegung langsam.

Dabei bewusst wahrnehmen:

"Wie fühlt sich die Belastung rechts und links an?"

Nicht möglichst viele Wiederholungen. Sondern möglichst gute Wahrnehmung, belaste ich beide Beine gleich..

  • Langsame Ausfallschritte

Auch hier gilt, sanfte Ausfallschritte nach vorne oder zur Seite, nicht tief, sondern bewusst und kontrolliert.

Wenn Schmerz spürbar ist oder ziehen, ist das schon zuviel.

Das Gehirn soll dadurch lernen, Gewichtsverlagerungen besser zu steuern und sich wieder sicher fühlen.

4. Unterschiedliche Reize

Unser Gehirn und die Rezeptoren lieben Abwechslung.

Zum Beispiel kannst du barfuß laufen, ob daheim oder draußen im Gras, im Sand oder am Strand, im Wasser.

Auch mit Schuhen bieten unterschiedliche Böden, wie Waldboden oder Kieswege neue Reize fürs Gehirn und die Füsse.

Wenn du daheim Balancebretter oder Balancekissen hast kannst du auch die zwischendrin zum Reinspüren nutzen.

Es geht bei allen Übungen nicht um Kraft sondern nur um neue neuronale Impulse fürs Gehirn und Gleichgewichtssystem.

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Und was ist mit den Faszien?

.Das werde ich in der Praxis auch immer wieder gefragt. Viele haben daheim ihre Faszienrollen oder Bälle liegen, einige empfinden es sogar als angenehm damit zu arbeiten. Viele auch nur als schmerzhaft.

Ja verklebte Faszien können sehr weh tun - ich arbeite auch mit der DAWOS -Methode- da wo es weh tut und ich weiß aus eigener Erfahrung wie weh es tun kann verklebte Strukturen und Spannungen wieder zu lösen.

Einen Vorteil hat die Faszienrolle ebenso wie die DAWOS-Methode, sie stimuliert auch die ganzen Rezeptoren in der Haut und im Bindegewebe. Das sendet dann ständig neue Impulse ans Gehirn und hilft die sensorische Wahrnehmung von Schmerz und Schonhaltung zu verändern.

Wie immer ist die Dosierung entscheidend und von daher oft ist weniger mehr. Denn nur was unser Nervensystem gut und sicher wahrnimmt, kann es auch gut steuern. Es macht keinen Sinn einem traumatisierten Gewebe weitere Traumen zu zufügen und damit den Alarmmodus hoch zu halten.

In diesem Sinne, wünsche ich ein achtsames und behutsamen Spüren und Üben.

Und ja wer mehr wissen will, darf mich gerne kontaktieren für einen Termin.

Bildnachweis: Canva pro

Hüftschmerzen verstehen. Warum Rezeptoren wichtig sind

Hüftschmerzen verstehen. Warum Rezeptoren wichtig sind

Wenn wir an die Hüfte denken, dann zumeist, weil wir meinen, wir haben ein paar Kilo zu viel auf den Hüften, oder wir Hüftschmerzen haben. Dann fallen uns meist Knorpelabnutzung, Gelenke, Bänder, Sehnen und Faszien ein, ebenso wie Arthrose und Arthritis oder im schlimmsten Fall die Hüftgelenks-OP.

Unsere Hüftgelenke verbinden den Rumpf mit den Beinen, es sind Kugelgelenke, die aus einer Hüftpfanne und einem darin gleitenden Hüftkopf bestehen. Eine Gelenklippe, das sogenannte Labrum ( https://gelenk-klinik.de/orthopaedie-glossar/labrum.html) vergrößert diese Auflagefläche und verbessert die Gleitfähigkeit und die Kraftübertragung

Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass auch Rezeptoren im Labrum und in der Gelenkkapsel sowie das Nervensystem entscheidend dazu beitragen, wie wir Schmerzen und Bewegung wahrnehmen.

Das Labrum – ein unterschätztes „Sinnesorgan“?

Lange Zeit ging man davon aus, dass das Labrum hauptsächlich die Gelenkpfanne vergrößert und den Hüftkopf stabilisiert. Heute wissen wir, dass es reich mit Nervenfasern versorgt ist. Neben schmerzleitenden Nerven finden sich dort auch Mechanorezeptoren – spezialisierte Sinneszellen, die auf Druck, Zug und Bewegung reagieren.

Diese Rezeptoren liefern dem Gehirn fortlaufend Informationen über die Stellung und Belastung des Hüftgelenks.

Man könnte sagen: Das Labrum hilft dem Gehirn dabei, zu erkennen, wie sich die Hüfte bewegt.

 

Nicht nur das Labrum, sondern auch die Gelenkkapsel ist reich an Mechanorezeptoren.

Dazu gehören unter anderem:

  • Pacini-Körperchen, die besonders auf Druck und schnelle Bewegungen sowie Vibrationen reagieren.
  • Ruffini-Körperchen, die langsame Dehnungen und Gelenkstellungen registrieren.
  • Golgi-Sehnenorgane, die vor allem Spannungsveränderungen wahrnehmen.

Bei jedem Schritt senden diese Rezeptoren Informationen an das Nervensystem. Erst dadurch kann unser Gehirn Bewegungen präzise steuern.

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Warum ist das Nervensystem so wichtig bei Hüftschmerzen?

Jede Bewegung entsteht aus einem ständigen Austausch zwischen Körper und Nervensystem.

Während wir gehen, Treppen steigen oder uns bücken, erhält das Gehirn ununterbrochen Rückmeldungen aus Muskeln, Sehnen, Haut, Bändern und Gelenken. Erst aus dieser Vielzahl an Informationen entsteht eine koordinierte Bewegung.

Verändert sich diese Rückmeldung – beispielsweise nach einer Verletzung, ob im Sport oder nach einem einfachen Umknicken des Fußes kann sich die Bewegungssteuerung verändern. Ebenso bei einer Operation oder durch anhaltende Schmerzen – der Körper versucht den Bereich zu schonen und uns zu schützen, das führt zu einer erhöhten Anspannung in Muskeln, Faszien und Bindegewebe .

Die Beschwerden werden anfänglich oft nicht so sehr als Schmerz wahrgenommen, sondern mehr als Unsicherheit oder Verspannung, es gibt dann Aussagen wie:

  • „Meine Hüfte fühlt sich irgendwie unsicher oder Wackelig an.“
  • „Ich kann diese oder jene Bewegung schlecht kontrollieren.“ z.B. beim Treppensteigen fühlt sich ein Bein anders an
  • „Ich habe das Gefühl, meiner Hüfte nicht mehr zu vertrauen.“ ich halte mich vielleicht öfter an irgendwas fest

Solche Empfindungen hängen nicht zwangsläufig mit Abnutzung oder einer mechanischen Instabilität zusammen. Sie können auch mit einer veränderten sensorischen Verarbeitung zusammenhängen. Sie müssen ihre Ursache nicht mal in der Hüfte haben, wie gesagt auch ein verknackster Knöchel kann solche Reaktionen auslösen.

Wenn es also Missempfindungen in der Hüfte oder in den Beinen gibt, wie wäre es mit einigen Übungen?

Drei einfache Übungen zur Verbesserung der Hüftwahrnehmung

Erstmal die Ausgangssituation testen, im Stehen, hüftbreit, die Hüfte leicht von einer Seite zu anderen schieben, leicht kreisen, jeweils ein Bein vor- und zurückbewegen oder zur Seite.

Mit den Schultern kreisen, die Arme seitlich und nach vorne und hinten schwingen, den Kopf sanft seitlich drehen. Reinspüren wie der Bwegungsradius ist.

Auch nach vorne beugen, soweit es geht und sich das merken.

1. Die Becken-Oberschenkel-Knie-Uhr

Nun auf den Rücken legen und ein Bein anstellen.

Das Knie langsam in verschiedene Richtungen in einer sanften Kreisbewegung– als würden die Zahlen einer Uhr sanft nachgemalt bewegen.

Nicht weit. Nicht schnell.

Es geht nur ums Wahrnehmen, wie sich die Bewegung in der Hüfte anfühlt, ob irgendwo Spannung ist, ob der Rücken aufliegt, oder es ein Hohlkreuz gibt.

Wie fühlt sich die andere Hüfte an? Wie die Knie oder die Sprunggelenke?

2. Gewichtsverlagerung im Stand

Wir stehen hüftbreit.

Nun verlagern wir das Gewicht langsam von einem Bein auf das andere.

Wir spüren bewusst, wann das Gewicht vollständig auf einer Seite angekommen ist.

Diese einfache Übung trainiert nicht nur die Hüfte, sondern auch Fuß, Knie und das Gleichgewichtssystem.

Nun können wir auch noch ein Bein leicht nach hinten stellen und die Füße mit den Zehen nach hinten zeigend leicht vor und zurück rollen. Mit dem anderen Bein auch ausprobieren.

3. Langsames Gehen

Gehen wir nun einige Schritte bewusst langsamer als gewohnt.

Was beobachten wir?

  • Wann berührt die Ferse den Boden?
  • Wann übernimmt die Hüfte das Körpergewicht?
  • Wie bewegt sich das Becken?

Oft entstehen dabei neue Eindrücke, die im schnellen Alltag kaum wahrgenommen werden.

Nun können wir noch einmal den Test vom Anfang machen, wie bewegt sich die Hüfte seitlich, die Beine vor- und zurück, wie weit geht ein nach Vorne beugen, wie fühlt sich der Schulterbereich an und die Beweglichkeit des Kopfes?

Hat sich etwas verändert und wenn ja was?

weitere Wahrnehmungsübungen findest du hier: https://martinacoldewey.de/beweglichkeit-bewahren/

 

Hier kommen dann die arthokinetischen Reflexe https://en.wikipedia.org/wiki/Arthrokinetic_reflex) mit ins Boot. Siehe auch (https://blog.eisenklinik.de/2013/04/03/der-arthrokinetische-reflex/)

Artho-von Gelenk und Kinetik-von Bewegung bedeutet, wie amerikanische Physiotherapeuten herausfanden, das bestimmte Gelenkbewegungen reflexartige Muskelreaktionen auslösen. Diese Reflexe dienen eigentlich als Schutzmechanismus um die Gelenke zu schützen, können aber auch die Kraft und Leistung von Gelenken enorm beeinträchtigen.

Viele Informationen kommen von den oben schon genannten Mechanorezeptoren, wie Ruffini Körperchen und Golgiapparat, die sich in den Muskeln, Sehnen und Faszien befinden.

Die Faszien sind gleichzeitig unser großes auch emotionales Gedächtnis und speichern dazu alle Emotionen die mit einem Unfall oder einer Verletzung einhergehen. Das führt dann oft zu langen andauerndem Schmerzgedächtnis, auch wenn die eigentliche Verletzung längst ausgeheilt ist.

Der Körper schützt uns also weiter, wir bleiben in der Kompensationshaltung und verlieren ggf. immer mehr Kraft in einzelnen Gelenken, Muskeln und Sehnen und bauen immer mehr Spannung im Körper auf.

Wie kommen wir aus diesem Kreislauf wieder raus bzw. was bedeutet das für die Therapie ?

Wenn eine Struktur im Körper Informationen an das Nervensystem liefert, stellt sich eine spannende Frage:

Kann man diese sensorische Funktion gezielt unterstützen?

Die Forschung liefert darauf noch keine abschließende Antwort. Dennoch gibt es gute Gründe, neben Kraft und Beweglichkeit auch die Körperwahrnehmung und Bewegungsqualität zu trainieren.

Ich denke es gibt gute Ansätze sowohl über Faszientherapie oder Akupressur verklebte Muskeln und Faszien zu lösen, wie über sanfte Übungen dem Körper wieder Vertrauen zu geben. Ebenso wichtig ist es das Vegetative Nervensystem zu entspannen, den ein Vagus unter Strom wird auch die Heilung blockieren und die Reizweiterleitung im Körper sabotieren.

Emotionale Themen die ggf bei solchen Behandlungen zum Vorschein kommen, dürfen angeschaut und gelöst werden, denn nur wenn Körper, Seele und Geist wieder als Ganzes betrachtet werden, kann sich der ganze Mensch wieder regenerieren.

Mein Fazit

Welche Rolle diese sensorischen Informationen bei Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Einzelfall spielen, wird derzeit intensiv erforscht. Schon heute spricht jedoch vieles dafür, in der Therapie nicht nur Kraft und Beweglichkeit zu fördern, sondern auch die Qualität der Wahrnehmung und Bewegung.

Ich selber arbeite bei meinen Klienten gerne auf verschiedenen Ebenen und Wegen, da jeder Mensch einzigartig ist und daher gibt es bei mir kein Allgemeinrezept. Mal beginnen wir mit den verklebten Muskeln und Faszien, mal mit einer Vagus-Entspannung oder mit der Lösung von emotionalen Blockaden.

Mein Motto ist immer: Der Körper gibt es vor, ich brauche nur zu lauschen und ihn zu unterstützen.

 

Bildnachweis: Canva pro, und Canva Ki generiertes Bild einer Hüfte